Was protestantische Ethik mit Kommunikations-Controlling zu tun hat

Ich bin kein religiöser Mensch. Dennoch bin ich gläubig. Ich glaube daran, dass berufliche Erfolge gut sind. Dass Kommunikation im Social Web erfolgreich, gut performt sein sollte.

Im vergangenen Winter besuchte ich im Nebenfach zwei Soziologie-Vorlesungen: „Moderne Gesellschaften“ sowie „Arbeits- und Industriesoziologie“. In beiden Veranstaltungen spielten die Protestantismus-Thesen des Soziologen Max Weber eine wichtige Rolle. Webers Thesen besagen, dass die protestantische Ethik und Lebensweise den Kapitalismus in seiner heutigen Form maßgeblich prägte.

Max Weber, 1917

Max Weber (1864 – 1920), Foto von 1917, CC BY 2.0 (Quelle: siehe Verlinkung)

„Die Prädestination lässt sich zwar nicht positiv beeinflussen, drückt sich jedoch im Diesseits durch Erfolg aus.“ (Quelle: Wikipedia)

Das Grundproblem für gläubige Protestanten bestand darin, dass sie Angst vor dem ausbleibenden Seelenheil hatten und nach dem Tod in der Hölle landen. Um es ein wenig abzukürzen: Der berufliche Erfolg im Diesseits wurde als Zeichen Gottes für das Seelenheil im Jenseits gedeutet. Protestantische Sekten sahen es aus diesem Grund als Lebensaufgabe an, beruflich erfolgreich zu sein. Weiterhin sagt Weber, dass sich dieser religiöse Lebensstil später verweltlichte, also das Prinzip auf alle Lebensbereiche übertragen und von nichtreligiösen Menschen übernommen wurde.

Unser heutiges Kontrollieren des Erfolgs hat demnach religiöse Ursprünge. Kommunikations-Controlling, Evaluation und die Überprüfung der Performance ist somit Ausdruck unseres unterbewussten Glaubens, dass beruflicher Erfolg unserem Seelenheil dient.

Finde, sowas kann man am Reformationstag mal erwähnen. Wie seht ihr das?

4 Kommentare
  1. Das gefällt mir. Der Blick über den Tellerand, klasse Gedanke. Vernetzt und integriert gedacht. Letzlich ist es aber auch die Suche nach dem „Sinn“ des Ganzen – meint: Wozu das alles? Und da hilft eben ein Ziel vor Augen zu haben und immer mal wieder (oder permanent) zu prüfen, bin ich auf dem richtigen Weg.

    • Danke für den Kommentar! Genau das fand ich eben auch ziemlich spannend. Also dass zielorientiertes Wirtschaften und Handeln unterbewusst als sinnhaft angesehen wird. Oft stellt man sich ja gar nicht der Frage, warum man etwas macht. Und dass das Ganze so viel mit der protestantischen Prägung unserer Gesellschaft zu tun hat – zumindest laut Weber.

  2. frank sagte:

    Also der Schluß von ursprünglich religiös beförderter Arbeits-, resp. Erfolgsverherrlichung zu einem Controlling, zu Evaluation, also Überwachung der Arbeitsaufgaben, scheint mir sehr gewagt. Vielleicht solltest du für letzteres auch mal Foucault zu Rate ziehen.

    • Berechtigter Einwand und vielen Dank für den Hinweis! Der Spin am Ende war auch bewusst etwas provokant formuliert … ;)

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