Archiv

Archiv für den Monat Oktober 2012

Ich bin kein religiöser Mensch. Dennoch bin ich gläubig. Ich glaube daran, dass berufliche Erfolge gut sind. Dass Kommunikation im Social Web erfolgreich, gut performt sein sollte.

Im vergangenen Winter besuchte ich im Nebenfach zwei Soziologie-Vorlesungen: „Moderne Gesellschaften“ sowie „Arbeits- und Industriesoziologie“. In beiden Veranstaltungen spielten die Protestantismus-Thesen des Soziologen Max Weber eine wichtige Rolle. Webers Thesen besagen, dass die protestantische Ethik und Lebensweise den Kapitalismus in seiner heutigen Form maßgeblich prägte.

Max Weber, 1917

Max Weber (1864 – 1920), Foto von 1917, CC BY 2.0 (Quelle: siehe Verlinkung)

„Die Prädestination lässt sich zwar nicht positiv beeinflussen, drückt sich jedoch im Diesseits durch Erfolg aus.“ (Quelle: Wikipedia)

Das Grundproblem für gläubige Protestanten bestand darin, dass sie Angst vor dem ausbleibenden Seelenheil hatten und nach dem Tod in der Hölle landen. Um es ein wenig abzukürzen: Der berufliche Erfolg im Diesseits wurde als Zeichen Gottes für das Seelenheil im Jenseits gedeutet. Protestantische Sekten sahen es aus diesem Grund als Lebensaufgabe an, beruflich erfolgreich zu sein. Weiterhin sagt Weber, dass sich dieser religiöse Lebensstil später verweltlichte, also das Prinzip auf alle Lebensbereiche übertragen und von nichtreligiösen Menschen übernommen wurde.

Unser heutiges Kontrollieren des Erfolgs hat demnach religiöse Ursprünge. Kommunikations-Controlling, Evaluation und die Überprüfung der Performance ist somit Ausdruck unseres unterbewussten Glaubens, dass beruflicher Erfolg unserem Seelenheil dient.

Finde, sowas kann man am Reformationstag mal erwähnen. Wie seht ihr das?

Cover: PR-Evaluation und Kommunikations-Controlling (Besson 2012)

Cover: PR-Evaluation und Kommunikations-Controlling (Besson 2012)

Auf DIESE Lektüre hatte ich mich sehr gefreut! Im ihrem neuen Buch – ein „Handbuch für PR-Praktiker“ – befasst sich Nanette Besson (@nanettebesson) nämlich genau mit den Themen, mit denen ich auch in meiner Masterarbeit zu tun habe: Evaluation und Kommunikations-Controlling (HIER hatte ich mich mit beiden Begriffen auseinandergesetzt). Dabei wählte sie zunächst eine schöne Metapher, um den Unterschied zwischen den beiden Ansätzen zu beschreiben: Man stelle sich ein Schiff vor, dass auf hoher See sicher von Hafen zu Hafen segeln soll. Zunächst müsse das Schiff inspiziert und startklar gemacht werden, damit es auf hoher See auch funktionieren kann. Diese Inspektion gleicht der Evaluation der Kommunikationsarbeit. Während der Fahrt muss der Kapitän das Schiff steuern. Dafür stehen ihm verschiedene Bordinstrumente zur Verfügung, an denen er ablesen kann, ob sein Schiff noch auf Kurs ist und in welchem Zustand es sich befindet. Das Steuern auf hoher See ist das Kommunikations-Controlling.

Read More